„Runder Tisch“ in der Kirche St. Josef – Dirnelwiese

15 11 22 Akteure Dirnelwiese für Web

v.l. Michael Berger, Veronika Rampetsreiter, Peter Schawerda, Alexander Strauch, Karinja Pangerl, Karl Kasenbacher, Dechant Franz Majca, Bgm Andreas Arbesser, Hans Batik © Initaitive L.E

Anfang Dezember werden die ersten, der insgesamt 70 Flüchtlinge in Langenzersdorf erwartet. Unbegleitete Minderjährige sowie Familien ziehen ins Containerdorf Anissa am Standort der Österreichischen Nationalbank auf der Dirnelwiese ein. Viele Fragen und Bedenken standen im Raum weshalb die Anrainer der Dirnelwiese zu einer Informationsveranstaltung geladen wurden. Nach einer kurzen Begrüßung durch Dechant Franz Majca und Bürgermeister Arbesser führte ein motiviertes Moderatoren-Team rund um den Koordinator der Initiative-Langenzersdorf, Peter Schawerda durch konstruktive zwei Stunden in einem vollen Gotteshaus. Geplant war diese Veranstaltung eigentlich im Pfarrheim. Doch durch das enorme Interesse der Bevölkerung stellte der engagierte Pfarrer, Dechant Franz Majca kurzerhand die katholische Kirche St. Josef zur Verfügung.
Ein idealer Rahmen für ein derart menschenbewegendes Thema! An die 200 Anrainer der Dirnelwiese füllten die Kirche. Schnell wurde klar, dass Fehlinformationen und fehlende Kommunikation viele Vorbehalte der zukünftigen Nachbarn des Flüchtlings-Containerdorfs Anissa ausgelöst hatten. Unklarheiten hinsichtlich Zutrittssysteme, Sperrstundenregelungen, 24-Stunden-Betreuung, Beschäftigung oder einer Info-Hotline konnten bereits vor Ort gelöst werden. Vor allem das Interview mit Michael Berger, Caritas-Regionalkoordinator für Flüchtlingshilfe, konnte über den Alltag im und um das Containerdorf aufklären. Innerhalb von Gruppen wurden schließlich Fragen beantwortet, zu Bedenken Stellung bezogen, konstruktive Anregungen aufgenommen, aber auch ehrenamtliche Bereitschaft erfasst.
100 ehrenamtliche Helfer hatten sich bereits einige Tage zuvor im Rahmen einer Veranstaltung in sechs sogenannten Fokusgruppen formiert. Das Ehrenamt in Langenzersdorf ist fast vollständig in weiblicher Hand. Mit großem Elan starten ab sofort unter der Leitung jeweils einer TeamleaderIn die Gruppen „Freizeit & Miteinander“, „Garten“, „Sport“, „Lernhilfe“, „Sachspenden“ und „Vielerlei“. Nach der gelungenen Veranstaltung auf der Dirnelwiese freut sich die Initiative Langenzersdorf über weitere Helfer und Interessierte für eine integrative Willkommenskultur in Langenzersdorf.

Hier eine Übersicht der Fragen, Anregungen und Befürchtungen der Dirnelwieser
in Stichworten

Die Fragen waren :
‐ Nationalität und Religion der Flüchtlinge bzw. werden sie sich untereinander vertragen
‐ Zusammensetzung der Flüchtlinge (Erwachsene, Kinder)
‐ Registrierung (polizeilich bzw. staatspolizeilich)
‐ Alter der Kinder; Integration in Kindergarten und Schule
‐ Schulpflicht für die Minderjährigen
‐ Gesamtanzahl der Flüchtlinge (Ist es das einzige Flüchtlingsdorf in Langenzersdorf ,
werden weitere Flüchtlinge Langenzersdorf aufgenommen werden oder ist die Anzahl mit 70 limitiert)
‐ Dauer der Unterbringung
‐ Baurechtliche Situation
‐ Versorgung der Flüchtlinge (Gemeinschaftsküchen, Selbstversorgung)
‐ Hausordnung
‐ Beschäftigungsangebote generell
‐ Deutschkurse & Psychologische Unterstützung
‐ Beschäftigung der Flüchtlinge seitens Gemeinde (Winterdienst etc.)
‐ Beschäftigung der Flüchtlinge seitens Privater
‐ Kulturelle Unterschiede (Mentalität)
‐ Vertrag mit ÖNB
‐ Kompetenzverteilung (Gemeinde, ÖNB, Caritas)
‐ Vermehrte Polizeipräsenz

 

Folgende Anregungen wurden gegeben
‐ Kontakttelefonnummer (Info-Hotline)
‐ Fragen/ Inputs der Informationsveranstaltung sollten auf der www.initiative-langenzersdorf.at zum Nachlesen veröffentlicht werden
‐ Mehr Informationen zur Initiative Langenzersdorf – einige wollen mitarbeiten, hatten bis dato     keine Info wie, wo, wann etc.
‐ Auch ohne Internet möglich?
‐ Willkommensfest „Get together“ (eventuell auch auf Nationalbank-Gelände)
‐ Tag der offenen Tür für AnrainerInnen
‐ Beleuchtung verbessern
‐ Stellvertretungen für Leadpersonen regeln

 

Befürchtungen bezogen auf:
‐ Müll
‐ (nächtliche) Ruhestörung, Wochenende
‐ Spielplatz
‐ Wahl des Ein- und Zugangs
‐ Busstation
‐ Grundstücksentwertung

 

Sonstiges
‐ Es gibt seit Jahre ein Flüchtlingsheim in der Koloniestr./Flodo – keinerlei Probleme.
‐ Zusammenarbeit mit Strebersdorf erwünscht –

Kontakt Hr. Erich Kohlhofer vom Wiff (!) 0600 3003033 erich.kohlhofer(at)wiff21.at, Bezirksvorsteher Hr. Georg Papai informiert?
‐ Ingeborg Körner bietet Arab. Dolmetschen an. Weidengasse 35, 0699 12472011

 

Viele Fragen konnten beantwortet, andere müssen noch überlegt werden. Letztere werden in der Langenzersdorfer Flüchtlingsplattform, wo alle Projektpartner vertreten sind, eingebracht und – wenn möglich – einer Lösung zugeführt. Danach wird das Ergebnis in geeigneter Form an alle Bewohner der Dirnelwiese übermittelt.

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